Bevor man sich entscheiden kann wie man an Bord Strom speichern möchte, muss man ein paar Dinge überlegen: Stromverbrauch und damit notwendige Speicherkapazität, Stromquellen – wie also geladen werden soll und dann natürlich so Kleinigkeiten wie Platzangebot, Kosten etc.

Nachdem ich heuer den gesamten Bereich der Stromerzeugung, Stromspeicherung und auch des Stromnetzes an Bord in Angriff nehmen möchte, teile ich mit Euch hier meinen ersten Schritt: die Berechnung des Stromverbrauches.

Und hier ist keine große Hexerei angesagt: Geräteliste, Stromverbrauch (in Watt oder Kilowatt), Schätzung wie lange die Geräte in 24 Stunden betrieben werden (in Stunden) und dann Errechnung des Verbrauchs in Ampere-Stunden (Ah) unter Berücksichtigung Eurer Bordnetzspannung. Allerdings gibt es unterschiedliche Herstellerangaben was die Einheiten betrifft, ev müsst Ihr also etwas recherchieren. Hier eine kleine Tabelle und Anleitung dazu als Beispiel:

  • LED Beleuchtung Salon und Kabinen: 50 Watt (Überschlagsrechnung)
  • Betriebszeit pro 24 Stunden: 4 Stunden (geschätzt)
  • Tagesverbrauch in Kilowattstunden: (50/1000) * 4 = 0,2 kWh
  • Meine Bordnetzspannung: 12 Volt
  • Umrechnung auf Ah: 50 Watt/12 Volt * 4 Betriebsstunden = 16,67 Ah

Mit den kWh und auch den Ah solltet ihr schon in der Lage sein, Euren Verbrauch pro Tag zu schätzen. Üblicher Weise zählt man dazu Bord- und Navigationsbeleuchtung, Elektrogeräte (Fön, Laptop, Milchschäumer), Navigationsgeräte wie GPS und Plotter inklusive Radar und Autopilot, Kühlbox/-schrank und Gefrierfach zusammen. Das ist dann die Summe Eures durchschnittlichen, geschätzten Verbrauchs in 24 Stunden. Dass nun eine Klimaanlage durch Batteriestrom kaum zu speisen ist, liegt auf der Hand. Eine Überraschung für mich war aber die Navigationselektronik. Jedes Gerät für sich braucht nicht viel Strom, aber in Summe und über den Segeltag und die vielen Stunden gerechnet, kommt schon viel zusammen.

 

 

Wenn Ihr nun die von Euch benötigte Batteriespeicherkapazität schätzen wollt, muss man noch zwei Fragen beantworten:

  • Wie lange möchte/muss ich mit dem gespeicherten Strom auskommen bevor nachgeladen werden kann?
  • Welche Stromspeicher = welchen Batterietyp möchte ich verwenden?

Die erste Frage liegt auf der Hand: Welcher Typ Segler bin ich in Bezug auf Landstromverfügbarkeit? Und auch welche Stromquellen habe ich an Bord und wo verwende ich mein Segelboot am häufigsten? Damit ist klar welche Stromerzeugung für Euch am sinnvollsten ist (Solar, Windgenerator, Hydrogenerator, Brennstoffzelle, Generatoren, die von fossilen Brennstoffen angetrieben werden inlusive Lichtmaschine Eures Schiffsdiesels) und wann ihr sie nützen könnt.

Die zweite Frage müsst ihr beantworten, weil jeder Battrietyp nur unterschiedlich tief entladen werden kann und soll. Während herkömmlichen Bleibatterien nur ca. 50% der Gesamtkapazität entnommen werden sollen, können Lithium Ionen Akkus bis zu 80 oder 90% ihrer Speichermenge zur Verfügung stellen ohne dabei an Lebensdauer einzubüßen.

Für unsere Five Senses (eine 49 Yacht im Mittelmeer und häufigster Nutzung unter Tags und mit Liegepausen in der Nacht) habe ich einen Tagesverbrauch von rund 330 Ah, oder rund 4 kWh berechnet. Lege ich das auf LiIon-Akkus um und rechne ich mit 80% Energieentnahme, so benötige ich also pro Speichertag 412 Ah oder fast 5 kWh an Kapazität. Derzeit haben wir 400 Ah Bleiakkus an Bord, uns fehlen also bei 50% Entnahme 130 Ah, oder anders gerechnet: nach 14 Stunden ohne jegliche Ladung ist der Saft alle. Weil es sich bei den 330 Ah um eine konservative Rechnung handelt und um einen Durchschnitt, hielt der Strom auch manchmal länger, vor allem weil wir ja auch den Schiffsdiesel zum Auslaufen und Anlanden verwenden. Aber nach einer Nacht am Anker waren die Batterien meistens einfach leer…

Fazit: neue Energiespeicher und auch Energiequellen müssen her! Stay tuned…

 

 

 

 

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