Abgesehen von so manchem Borasturm ist die obere Adria, zumindest bis zum Kvarner, eher ein Leichtwindrevier. Unsere Segelgarderobe ist daher auf diese Bedingungen ausgelegt: das Großsegel ist mittels längsverlaufenden Segellatten konvex ausgestellt, die Genua als Vorsegel entspricht 135% der vorgesehenen Vorsegelgröße und wir haben eine Leichtwindgenua (Code Zero) mit 87 Quadratmetern an Bord.

Was bisher aber noch fehlte, war ein großes Raumwindsegel, so wie ein Gennaker. Er ist einfacher zu bedienen als ein Spinnaker und er ist auch universeller einsetzbar. So kam mir eine Sommeraktion unseres Segelmachers in Deutschland gerade recht, um für unseren 2-wöchigen Törn solch eine Ergänzung in Auftrag zu geben. Durch die gewissenhafte Auftragsbearbeitung des Segelmachers traf unser Gennaker mit seinen knapp 146 Quadratmetern gerade noch einige Tage vor meiner Abreise aus Wien ein.

Wie vereinbart, war das Segel bereits in einen Bergeschlauch eingezogen. Dieses System ermöglicht es den Gennaker recht einfach zu setzen und zu bergen. Der Schlauch wird mittels Fall ins Masttop hochgezogen und das Segel öffnet sich erst, wenn die Hülle mittels eines weiteren Seiles entfernt wird. Somit entstehen keine Verdrehungen und das Tuch fällt auch nicht ins Wasser oder verhängt sich im Rigg. Eine weitere Vereinfachung ergibt sich für unsere kleine Crew (mich), denn der Segelkopf ist dadurch eindeutig zu erkennen. Dies wäre zwar auch Dank der Beschriftung des Schothorns (Tack) möglich aber so kann man das Segel einfach nicht falsch setzen. Soll schon vorgekommen sein, dann Crews das Shothorn ins Masttop gezogen haben. Eine Übersicht über andere Bergehilfen oder neuere Systeme für Gennaker gibt es hier.

Bevor es losgehen konnte, musste ich aber auch noch unser Boot fit machen. Leider hatte sich das vorgesehene Fall über die Zeit an der Rollreffanlage unseres Vorsegels aufgerieben. Ich musste also ins Rigg, um das Fall neu anzuschlagen. Gian-Luca hatte im Rahmen der Anpassungen 2016 ganze Arbeit geleistet und das Fall mit Augspleiß und Schekel angeschlagen. Damit hatte ich nicht gerechnet und somit hatte ich keine Zange dabei, um den Schraubmechanismus des Schäkels zu lösen. Somit schnitt ich kurzerhand das Fall ab und fertigte einen simplen Palstek um fürs Erste eine Lösung zu haben. Sorry Gian-Luca!

Nun war es aber soweit, nach unserer Abfahrt aus Aprilia Marittima um 2.00 Uhr Früh, hatten wir gegen 3.30 Uhr das offene Meer erreicht und ich machte mich daran den Gennaker in der Morgendämmerung zu setzen. Letztendlich passten die Wetterbedingungen dann aber nicht und wir mußten noch ein paar Tage warten, bis das Segel das erste Mal über der Five Senses gesetzt war.

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Am 11. Juli vor Mali Losinj war es dann soweit, der Gennaker zog uns durch die Adria. Ein wunderschönes Segelerlebnis, welches wir noch oft wiederholen konnten. Allerdings muss ich noch ein bisschen üben, bis der Trim in allen Situationen gut funktoniert. Aber für den Anfang hat alles hervorragend geklappt. Den Einsatz bei höheren Windgeschwindigkeiten hebe ich mir noch auf, möchte ich die Nerven meiner Familien-Crew doch nicht zu sehr strapazieren 😉

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