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Ravenna liegt rund 90 Seemeilen entfernt von Aprilia Marittima und ist somit ungeeignet für kurze Ausflüge von unserer Marina aus. Bei durchschnittlich 6 Knoten Fahrt ergeben sich von dort nämlich rund 15 Stunden Reisezeit mit der Five Senses. Eine solche Unternehmung will also geplant sein, denn sie braucht ausreichend Zeit nebst einem geeigneten Wetterfenster.  Als Segel-Destination ist Ravenna ohnehin ungewöhnlich, denn für Segler sind die Windverhältnisse und die flache, durch Sandstrände geprägte Küste eher langweilig. Vielmehr kennt man die italienische Ostküste als Ziel für Strandurlaube.

Auf der Haben-Seite gibt es dennoch einiges zu verbuchen: Ravenna zum Beispiel ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Ravenna in der Region Emilia-Romagna. Und diese wiederum gilt als der „Bauch Italiens“ und so bereitet man hier lokale Köstlichkeiten auf höchstem Niveau zu. Zudem war die Stadt von 402 bis 476 n.Chr. Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. Bauwerke, die teilweise aus dieser Zeit erhalten sind, formen heute Teile des UNESCO Weltkulturerbes. Ravenna präsentiert sich als gepflegtes Städtchen, ganz dem Thema „Mosaike“ gewidmet. Mit kleiner Fußgängerzone und gut erhaltenen historischen Bauwerken. Alles in allem also gute Gründe Ravenna einen Besuch mit allen fünf Sinnen abzustatten.

Die spannenste Begebenheit auf dieser Reise war wohl unser Aufbruch um 2.00 Uhr Früh mit dem Ziel unsere Nachtfahrbereitschaft zu testen und Ravenna noch am frühen Abend zu erreichen. Die Wetterprognose war günstig und so trauten wir uns zu, die Lagune selbst bei tiefer Dunkelheit zu verlassen. Nachdem Neumond war, fiel der Erdtrabant als Lichtlieferant zu diesem Zeitpunkt aus. Mittels Handscheinwerfer und Radar tasteten wir uns von Dalbenmarkierung zu Dalbenmarkierung, bis wir dann um 3.30 Uhr die engen Fahrstraßen der Lagune hinter uns lassen konnten. Der Rest war Business as usual mit teils gutem Wind aus Nord-Ost und Süd-Ost. Bei rund 15 Knoten Windgeschwindigkeit brausten wir mit Vollzeug der ehemaligen Lagunenstadt entgegen.

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Ursprünglich war Ravenna nämlich direkt am Meer gelegen. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute etwa neun Kilometer. Der Hafen ist durch den Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna verbunden. Mit dem Privatboot landet man im Transit-Teil der „Marinara“ an.  Dieser Yachthafen verfügt über etwa 1500 Liegeplätze für Boote bis 30m. Die 400m breite Mündung des Hafens ist von zwei 2.8 km langen Wellenbrechern geschützt. Man kann versuchen sich über UKW-Funk (Kanal 10) bemerkbar zu machen, ob man gehört wird ist aber nicht sicher. Die Marineros tragen gelbe T-Shirts und helfen beim An- und Ablegen. Von ihnen erhält man auch die Zugangs-Chips, die das Eintreten in den abgesperrten Marina Bereich ermöglichen. So kann man einen Ausflug zum nett angelegten Hafenbereich unternehmen. Die Administration und Bezahlung der Liegegebühr erfolgt im „Ufficio Ormeggiatori„. Dort braucht man viel Geduld, nachdem alles recht chaotisch abläuft, aber das Personal ist wirklich sehr freundlich und letztenendes klappt dann alles wie gewünscht. Findet man kein Marina-Personal, so erreicht man Marineros über Mobiltelefon: +39 331 38 77 999. Die Marina-Email lautet: ormeggiatori@marinara.it

Im Seebad ist alles in einheimischer Hand. Die andererorts typischen Besucher aus Deutschland oder Österreich sucht man hier vergebens. Entlang eines kilometerlangen Sandstrandes gibt es zahlreiche Restaurants, Grills und Bars. Teile dieses Bereiches stehen unter Naturschutz.  Mit dem Autobus geht es ins Stadtzentrum. Allerding muss man die Stationen bewusst suchen. Zur besseren Orientierung habe ich Fotos eingefügt, die Beispiele von Busstationen zeigen. Wer die Station findet, kann den nächstem Schritt wagen und Ravenna mit den Öffis erkunden 😉

Am besten man orientiert sich and er Bodenmarkierung. Aber auch das ist nicht immer ein sicheres Zeichen für eine tatsächlich aktive Busstation.

Die Stadt heute ist Erzbischofssitz und das erkennt man auch an prächtigen und sauber renovierten Bauwerken. Generell ist Ravenna für die zahlreichen antiken Mosaike bekannt. Wir fanden diese wirklich beeindruckend und einzigartig.

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Hier ist eine Liste der Bauwerke des UNESCO-Weltkulturerbes wie auf der entsprechenden Wikipedia Seite angeführt:

Was nicht unerwähnt bleiben soll ist der kulinarisch Aspekt von Ravenna. Wir haben ihn durch die Rosticceria Girasole erfahren, denn man hat für uns frische Teigwaren mit Käsefüllung zubereitet. Ich weiß nicht, ob ich jemals bessere gefüllte Teigtaschen gegessen habe.

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