Instandsetzung Teak Deck

Five Senses im April 2017

Erste Reaktion vom Tischler nach Begutachtung:

"Das ist eine Katastrophe!"

Der Zustand des Teak Decks war schlechter als von mir angenommen. Letztendlich wurde klar, dass eine Sanierung des bestehenden Belages nicht in Frage kam. Alles musste getauscht werden!

Jeder Decks-Belag hat seine ganz spezifischen Merkmale und somit Vor- und Nachteile. Holz ist vor allem für seine herausragende Optik bekannt. Auch die Haptik ist einzigartig und obwohl ein Holz-Deck guten Halt auch bei Nässe bietet, so ist es trotzdem angenehm darauf zu gehen, auch wenn es barfuß sein soll. An sich ist ein Holz-Deck auch sehr pflegeleicht, da es lediglich regelmäßig mit Wasser gespült werden soll. Die Anwendung diverser Pflegeprodukte wird kontroversiell diskutiert, ich persönlich verwende lediglich ein Mittel welches den Pilz- und Algenbefall verhindert und das Holz somit gleichmäßig ausgrauen läßt. Als wichtigen Zusatzpunkt muss natürlich gesagt werden, dass man im Wesentlichen nur Teak-Holz verwenden kann. Hier muss man beim Kauf also auf Nachhaltigkeitszertifikate vertrauen und darauf achten, dass man kein illegal geschlägertes Holz aus geschützen Wäldern bezieht. Selbst wenn Teak sehr robust ist und den widrigen Bedingungen sehr gut standhält, so ist es letztlich doch ein natürliches Material, welches abgenützt wird und somit eine begrenzte Lebensdauer hat. Je nach Intensität der Nutzung und auch je nach Pflege und Rücksichtnahme muss man also nach 10-15 Jahren damit rechnen, dass eine aufwändige Sanierung notwendig wird. Das macht ein Teak-Deck zu einem großen Kostenfaktor bei der Instandhaltung eines Schiffes.

Meine Eindrücke vor dem Kauf

Das Teak Deck war stark beansprucht, vor allem am Vordeck. Das Holz war rau, hatte teils tiefere Furchen und war circa 2mm unter dem Niveau der Fugen-Dichtung. Die Seiten waren ebenfalls schon recht stark verwittert. Im Cockpit zeigte sich ein etwas besseres Bild, dennoch war der Boden schon mitgenommen. Kein Wunder, nach 12 Jahren Charterbetrieb war das Boot viele Wochen im Jahr unterwegs und für mich ist dies ein Beweis für die Belastbarkeit eines Teak-Decks. Meine Erwartung war, dass man die Fugen nachschneiden wird können und, dass man das Deck durch schleifen wieder ansehnlich hinbekommen könnte. Leider war dem nicht so, wie mir unser Bootstischler später erklärte.

Analyse unseres Boots-Tischlers

An sich bestätigte unser Tischler meine Einschätzungen, mit einer durchaus entscheidenden Ausnahme: eine Sanierung durch Schleifen und Schneiden war nicht möglich und zwar aus folgendem Grund: beim Verlegen des Holzbelags in der Werft wurden Schrauben verwendet, um das Teak noch vor dem Verfugen auf dem Deck zu befestigen. Obwohl ursprünglich mit Fugenmaße verschlossen, hatte man somit eine Brücke zwischen der Oberfläche und der Bootsinnenseite geschaffen. Vor allem, sobald die Fugenmaße ausgedünnt oder schadhaft wurde. Theoretisch konnte so Wasser eindringen. Eine Beurteilung ob dies schon gesehen war konnte nicht erfolgen ohne das Deck zu entfernen. Jedoch konnte man schon einige Schraubenköpfe aus der Dichtung herausragen sehen. Vielleicht konnte hier also Wasser eindringen. Zusammen mit dem schlechten Zustand der Holz-Schichte und vor allem wegen der Schrauben war die klare Empfehlung das Deck komplett zu ersetzen.

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Ablauf der Sanierung

Für ein solches Unterfangen muss das Boot in eine Halle und das Rigg vollkommen abgebaut werden. Bei der Schiffsgröße der Five Senses erfolgt dies mittels Kran and Travel-Lift. In einem ersten Schritt wurde der alte Belag vollständig entfernt. Alle Beschläge, Luken, etc. mussten abgeschraubt oder ausgebaut werden sofern sich diese auf dem Holz befanden. Es blieben also nur die Winschen, einige Umlenk-Blöcke und der Steuerstand unangetastet. Im zuständigen Betrieb waren 2 Personen zwei Wochen lange mit den Abbrucharbeiten beschäftigt. Danach war nur noch das nackte GFK sichtbar. Es stellte sich heraus, dass das Deck tatsächlich etwas undicht war. Wasser war aber nur in kleinen Mengen eingetreten. Durch die Sanierung wurde dieser Mangel sauber behoben. Weiters wurde auch die Seereling renoviert und die meisten Stützen erneuert. Eine gute Investition in die Sicherheit an Bord!

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Nun konnte das neue Holz verlegt werden. Jede einzelne Planke, jedes einzelne Stück wird für seinen spezifischen Platz angefertigt und angepaßt. Hier braucht es viel Erfahrung, Genauigkeit und Liebe zum Material. Ich hatte mir bereits erfolgte Arbeiten unseres Tischlers als Referenz angesehen und somit hatte ich volles Vertrauen in seine Handwerkskunst. Ich kann nur jedem empfehlen, das Gleiche zu tun. Wenn bei diesem Arbeitsschritt gepfuscht wird entsteht hier viel Schaden, zuletzt durch eventuelle Unzufriedenheit des Auftraggebers. Bei uns lieft zum Glück alles sehr gut und schon bald konnte man das vorläufige Endergebnis sehen.

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Das neu verklebte Deck muss ausgiebig trocknen bevor die Fugen dann zurecht geschnitten werden und ein letzter Arbeitsschritt erfolgt, das Abschleifen. Ein so neu verlegtes Deck ist ein Traum und hilft über den Schock der Endrechnung hinweg. Viel Erfolg bei Euren Projekten, wenn Ihr noch Fragen habt bitte schreibt mir gerne Eure Kommentare!

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